Sonntag, 15. Dezember 2013

Als Veganer im Steakhaus

Na toll, da hatten die Kollegen der Abteilung sich für das diesjährige Weihnachtsessen mehrheitlich für das Steakhaus "Colina" im Herzen Kölns entschieden, obwohl sie nicht nur wissen, dass ich vegan lebe, sondern von zwei weiteren Kollegen der Abteilung bekannt ist, dass sie Fleisch vermeiden. Erschwerend kam hinzu, dass das ausgewählte Steak-Restaurant im Gegensatz zu den meisten anderen Gastronomiebetrieben dieser Art noch nicht einmal eine Salat-Bar aufweisen konnte.

Wie üblich rief ich einen Tag vor dem Essen im Restaurant an, um die veganen Optionen zu eruieren. Immerhin sollte es sich nach der im Internet publizierten Speisekarte um kubanische Küche handeln, so dass sich auch ein paar grundsätzlich vegetabile Gerichte wie gekochter Maniok und Reis mit schwarzen Bohnen ("Moros y Cristianos", zu deutsch "Mauren und Christen") im Angebot fanden. Leider ergab meine Anfrage, dass der Restaurantbetreiber entschieden hatte, dass Reis und Bohnen nur mit Speck schmecken. (Wohingegen ich mich frage, wie man ein so perfektes Gericht damit im wahrsten Sinne des Wortes versauen kann, statt ihm einfach eine würzige und leckere Salsa hinzuzufügen.) Den gekochten Maniok meinte man wohl auch nicht ganz ernst und verwies auf die frittierte Variante.

Nachdem ich noch einmal aufgezählt hatte, was bei vegan nicht in Frage kommt (natürlich kein Fleisch, aber auch keine Butter, keine Eier, keine Sahne, kein Quark usw.) und auch erwähnte, dass mein Essen möglichst nicht frittiert sein und auch sonst nur wenig Öl enthalten solle, konnte ich förmlich durch den Hörer wahrnehmen, dass für meinen Gesprächspartner damit alles überhaupt Essenswerte ausgeschlossen war. Er versicherte mir aber, dass der Chefkoch schon ein passendes Menü kreieren werde. (Was das Öl angeht, mache ich beim Auswärts-Essen schon eine Ausnahme vom völligen Verzicht, da ich damit erfahrungsgemäß auch die vegan-freundlichsten Köche überfordere.) Am Abend zuvor sei schon eine Abteilung des Versicherungskonzerns X da gewesen "und da war auch ein Veganer dabei". Immerhin kommt also wohl kein Restaurant mehr um Anfragen für vegane Speisen herum. Wenn wir Veganer also "dran" bleiben und weiter nerven, schaffen es die meisten Restaurants vielleicht auch irgendwann einmal, ein oder zwei vegane Hauptgerichte auf die Karte zu setzen, die diese Bezeichnung auch verdienen.

Ich bezweifle mal, dass das fleisch- und öltriefende Angebot dieses Steakhauses irgendetwas mit authentischer kubanischer Küche zu tun hat. Schließlich kann ein armes Land wie Kuba es sich gar nicht leisten, die wertvollen Makro- und Mikronährstoffe ganzer Pflanzen zu vergeuden, indem es sie fast komplett an Tiere verfüttert oder aus ihnen das reine Fett herauspresst.

Meine Zweifel daran, dass mir tatsächlich etwas rein pflanzliches, sättigendes und  fettarmes serviert würde, blieben erst einmal und wurden am nächsten Abend auch prompt bestätigt: Der Chefkoch hatte zwar ein paar Tomatenhälften mit Olivenpaste und ein paar weitere mit blanchierten Zwiebelwürfeln und etwas Balsamico-Creme präpariert. Zusätzlich gab es einen Teller mit gegrilltem und gewürztem Gemüse (ein paar Paprika-Streifen, ein paar Auberginen-Scheiben und eine in Ringe geschnittene Zwiebel), alles leider in Öl schwimmend.

Ich fand das ja einerseits sehr rührend und aufmerksam. Andererseits fragte ich mich jedoch, wie jemand das ernsthaft als echte Mahlzeit, geschweige denn als Menü ansehen kann. Sollte man auf Kuba tatsächlich noch nicht von Reis, Bohnen oder Kartoffeln ohne die Zugabe von zerstückelten Tieren oder sonstigen Tierprodukten gehört haben? Eigentlich bietet die lateinamerikanische Küche doch eine große und köstliche Auswahl rein pflanzlicher und sättigender Kost.

Meine Zusatzbestellung für den gekochten Maniok, der ja nun mal immerhin auf der Karte stand, wurde erneut nur widerstrebend entgegen genommen. ("Der frittierte schmeckt viel besser.") Dieser kam dann in einer recht übersichtlichen Schale (zum Preis von immerhin € 6,80) und war leider auch mit Öl übergossen, das ihn aber immerhin noch nicht sehr durchdrungen und sich überwiegend auf dem Boden der Schale gesammelt hatte. Tatsächlich erwies sich dieses Gericht dann auch als sehr wohlschmeckend und halbwegs sättigend, wobei ihm eine leckere Salsa natürlich auch noch etwas mehr Pfiff hätte geben können. (Die laut Speisekarte auch dazu gehört hätte.)

Kurzum: Das servierte Essen war seinen Preis nicht wert.

Aufgrund der erwähnten Zweifel an den veganen Kochkünsten dieses "kubanischen" Steakhauses hatte ich immerhin vorgesorgt. Das gute an Firmenessen ist, dass man zu ihnen mit einer Aktentasche erscheinen kann, und dass gute an Aktentaschen wiederum ist, dass man in ihnen auch Essen in ein Restaurant schmuggeln kann. In meiner hatte ich denn auch eine Plastikbox mit gebackenem Hokkaido-Kürbis (mit etwas Kräutersalz und Garam Masala gewürzt) sowie gebackenen Süßkartoffeln mitgebracht, und verfrachtete den Inhalt in einem halbwegs unbeobachteten Moment auf meinen Teller. Meine neben mir sitzenden vegetarischen Kollegen durften diese einfach zubereiteten Köstlichkeiten auch mal probieren.  So wurde der Abend (den stinkenden Rauchschwaden vom Grill zum Trotz) ein durchaus netter mit vielen lustigen Geschichten, interessanten Unterhaltungen und ganz ohne Magenknurren.

Ich war jedoch wieder einmal in meiner Erkenntnis bestätigt, dass das Angebot der meisten Restaurants völlig einfallslos, uninspiriert und dem körperlichen Wohlergehen abträglich ist. Solange dieses schlechte Angebot aber auf eine entsprechende Nachfrage trifft, wird es wohl auch dabei bleiben.

Erstaunlich finde ich den Umstand, dass Restaurants überhaupt mit offenen Grills im Gästebereich operieren dürfen, während das Rauchen in allen Gastronomiebetrieben nach den NRW-Gesetzen strengstens verboten ist. Vielleicht hat sich ja noch nicht herumgesprochen, dass der Rauch eines Grills das mehrtausendfache an Karzinogenen enthält wie der Rauch einer Zigarette.

Kommentare:

  1. Kommt mir leider nur zu bekannt vor. Herzliches Beileid!
    Falls du's noch nicht getan hast, lad doch deinen Erfahrungsbericht bei einer (oder mehreren) Sites hoch, auf denen man Restaurants bewerten kann. Dann können andere künftig dieses Lokal meiden.

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  2. Hallo! Ich bin bei der Suche nach Christianos Y Moros vegan bei dir gelandet :-)

    Ich werde sie jetzt abgewandelt probieren, Räuchertofu statt Speck und geht scho'.

    Eine Frage zum Rauch: da fällt mir sofort Vapiano ein. Da wird ziemlich viel Rauch an den Kochstellen produziert. Und die Gäste fangen reihenweise immer zu Husten an, wenn wieder mal Öl verbrannt ist.

    Dass das einfach so weitergehandhabt wird wundert mich (schlechte "Abzughauben").
    hust hust.

    lg, Paula

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