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Dienstag, 31. Juli 2018

Buchtipp: Proteinaholic

Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mir "Proteinaholic" von Dr. Garth Davis zu kaufen und durchzulesen. Was mich jedoch lange Zeit davon abhielt, war der Gedanke, dass es mir möglicherweise nichts wirklich Neues vermitteln würde, denn als über Ernährung informierter Veganer wusste ich ja schon längst, dass die Vergötterung des Proteins keine wissenschaftliche Grundlage hat, und dass tierische Proteine sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Nun, da ich die Lektüre abgeschlossen habe, kann ich nur sagen, dass diese Sorge vollkommen unbegründet war und Dr. Davis in seinem Buch wirklich auch noch viel Neues für bereits gut Informierte bereit hält, die wie ich die klassische Literatur zur vollwertig pflanzlichen Ernährung von Professor T. Colin Campbell über Dr. John McDougall bis zu Dr. Caldwell Esselstyn in und auswendig kennen. Dr. Davis analysiert hier  eine Studie nach der anderen und lässt dabei ein Gesamtbild entstehen, das jedenfalls keine begründeten Zweifel mehr an der Unsinnigkeit des Proteinmythos und an der Schädlichkeit tierischer Proteine lässt.

Aber zunächst zum Autor: Dr. Davis ist Mediziner mit der Spezialisierung auf die Chirurgie. Lange Zeit führte er die jeweils im letzten Trend liegenden Magenoperationen bei adipösen Patientinnen und Patienten durch, die ihnen dabei helfen sollten, weniger Nahrung verdauen zu können und damit dann auch endlich abzunehmen. Bei der Nachsorge sollte er ihnen auch eine Ernährungsberatung zuteil werden lassen und gab ihnen dann die üblichen verbreiteten Low-Carb-Ratschläge, an die er damals selbst glaubte und an die er sich auch selbst hielt. Er war der klassische Liebhaber von Speck und Eiern, der Kartoffeln für ungesunde Dickmacher hielt. Bis seine eigene Gesundheit und Fitness sich immer weiter verschlechterten und er schließlich begann, sich mit der tatsächlichen Studienlage zu beschäftigen. (Also den echten Studien, nicht den Schlagzeilen, die in den Medien häufig daraus gemacht werden, um den Menschen Gutes über ihre schlechten Gewohnheiten zu erzählen.) Heute lebt er vollständig vegan und läuft bei Ironman-Triathlons mit.

Diese hat er dann in diesem Buch zusammengefasst und jeder Mensch, der es von Anfang bis Ende liest, sollte danach eigentlich ein für alle Mal von allen Low-Carb- und Paleo-Fantasien geheilt sein.

Das Buch gliedert sich in vier Teile:
Im ersten schildert Dr. Davis seinen persönlichen, oben angerissenen Lebensweg.
 

Im zweiten Teil zeigt er auf, wie es zum Protein-Mythos gekommen ist und wie er sich entgegen der wissenschaftlichen Evidenz bis heute halten konnte.

Der dritte Teil dient dann der Darlegung der besagten umfassenden Studienlage zum Zusammenhang zwischen dem Konsum tierischer Proteine einerseits und den chronischen Wohlstandskrankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzerkrankungen andererseits. Hier wird auch intensiv auf die üblichen Gegenargumente der bloggenden Fans von Tierprodukten eingegangen und es wird aufgezeigt, wie die Tierprodukteindustrie Einfluss auf das Design und die Interpretation der von ihr direkt oder indirekt mitfinanzierten Studien nimmt, um damit Ergebnisse und insbesondere Schlagzeilen in ihrem Sinne zu erzeugen. Ich habe ja schon einige Male in diesem Blog dargelegt, wie Studienergebnisse insbesondere mit Über- und Unteradjustierungen von gar nicht unabhängigen Variablen  so frisiert werden, dass am Ende in der Zusammenfassung das glatte Gegenteil von dem stehen kann, was die in der Studie gemachten Beobachtungen eigentlich zeigen.

Im vierten Teil wird insbesondere auf die Frage eingegangen, wie viel Protein der menschliche Körper denn nun wirklich braucht und mit welchen Methoden dieser Bedarf ermittelt wird. Es zeigt sich, dass fast alles, was man auf Sportler- und Bodybuilder-Blogs zum menschlichen Proteinbedarf lesen kann, einfach wieder und wieder von einander abgeschrieben ist und jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Dr. Davis zeigt klar, dass es unmöglich ist, mit der Nahrung zu wenig Protein aufzunehmen, wenn man überhaupt genug Nahrungsenergie zu sich nimmt. Dies gilt im Großen und Ganzen auch für Sportler. Eiweißriegel und -shakes sind ein Riesengeschäft und nutzen nur ihren Herstellern, während sie den Nieren ihrer Konsumenten auf Dauer erheblich schaden können.

Interessanterweise können Nahrungsproteine vom Körper dann optimal zum Muskelaufbau genutzt werden, wenn sie gleichzeitig mit als Glukose verwertbaren Kohlenhydraten aufgenommen werden. Lässt man die Kohlenhydrate nämlich weg, müssen stattdessen die zugeführten Proteine irgendwie in Nahrungsenergie umgewandelt werden und stehen dann nicht mehr als Bausteine für neues Gewebe zur Verfügung. Auch das zeigt, dass pflanzliche Proteine z.B. aus Bohnen und Vollgetreide ideal sind, denn sie kommen anders als tierische Proteine gleich im Paket mit Kohlenhydraten.

Einzig für die Übersetzung ist leider ein dicker Punktabzug fällig: Bei Übersetzung und Lektorat muss irgendetwas ziemlich schief gegangen sein, denn oft fehlt mitten im Satz einfach ein Wort. Wenn z.B. auf ein "und" gleich das Verb folgt, muss offensichtlich etwas vergessen worden sein. Manchmal kann man sich die fehlenden Wörter aus dem Kontext erschließen, oft aber auch nicht.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Rezension: "Krebszellen mögen keine Himbeeren"

Buchcover: Krebszellen mögen keine Himbeeren
Jetzt sind seit meinem letzten Blog-Beitrag doch schon wieder über zwei Monate vergangen - soviel zu den guten Vorsätzen. Immerhin habe ich die Zeit außer für einen Irland-Urlaub und noch vieles andere auch dazu genutzt, dass Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" der französischen Onkologen Richard Béliveau und Denis Gingras zu lesen. Und dies obwohl es vordergründig erst einmal gar nichts mit Veganismus oder veganer Ernährung zu tun hat: beim Durchblättern kann man auch auf eine Abbildung von verzehrfertigem toten Fisch stoßen.

Dennoch ist das Buch auch für Veganerinnen und Veganer absolut empfehlenswert, zumal der Fisch hier nur exemplarisch als ein Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren angeführt wird, aber die pflanzlichen Lieferanten wie Leinsamen und Walnüsse ebenso erwähnt werden.

Interessant war die Lektüre für mich auch durch den Vergleich mit Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die": Wie stark würden sich die Inhalte decken? Die Antwort: Sie decken sich erstaunlich stark. In beiden Büchern werden oft die selben Studien zitiert. So wird auch in "Krebszellen mögen keine Himbeeren" die besondere Rolle von Kreuzblütlergemüse in der Vorbeugung gegen Krebs dargestellt und dabei ebenso die besondere Rolle des Sulforaphan herausgestrichen. Ein klares Indiz, dass die Autoren in beiden Fällen nicht im Auftrag einer dunklen Gemüselobby unterwegs sind (die es -leider- sowieso nicht gibt), sondern schlicht und einfach den aktuellen Forschungsstand darlegen.

Doch von Anfang an: Bei "Krebszellen mögen keine Himbeeren" geht es, wie der Titel schon andeutet, vor allem um Krebs und Krebsprävention. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Schon der erste Teil bietet einige für medizinische Laien überraschende Einsichten. In ihm wird nämlich dargelegt, was Krebs ist, warum und wie er entsteht und welche Rolle die Ernährung dabei spielen kann, seine Entstehung zu verhindern. Die Autoren erklären die Entstehung von Krebszellen sozusagen als einen Rückfall einzelner Zellen in den "Einzellermodus", in dem sie nicht mehr mit den anderen Körperzellen kooperieren und wieder nur ihre eigene Vermehrung betreiben. Dazu schalten sie unter anderem ihr "Selbstmordprogramm" ab und reagieren nicht mehr auf entsprechende Signale anderer Körperzellen. Und sie koppeln sich zur Nährstoffversorgung mittels "Angiogenese" an den körpereigenen Blutkreislauf an.

Ebenfalls erwähnenswert und sicher nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert ist die Tatsache, dass jeder Mensch zu jeder Zeit immer solche amoklaufenden Zellen in seinem Körper hat. Wahrscheinlich tragen sogar alle Menschen ab einem bestimmten Alter auch immer ein paar Mikrotumoren in ihrem Körper, weshalb Béliveau und Gingras den Krebs auch als chronische Krankheit einstufen.

Schließlich stellen die Autoren heraus, welche große Rolle Lebensstilfaktoren dafür spielen, ob sich aus ein paar Krebszellen oder Mikrotumoren schließlich eine akute und lebensbedrohende Krebserkrankung entwickeln kann. Natürlich ist das Rauchen ein solcher Lebensstilfaktor, der das persönliche Krebsrisiko entscheidend beeinflusst. Ebenso wichtig ist aber die Ernährung, denn viele Lebensmittel enthalten Stoffe, die in den verschiedensten Stadien der Krebsentstehung dazwischen funken und so das Fortschreiten entscheidend behindern können. Viele dieser Stoffe sind aber nur in bestimmten Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen enthalten, so dass man sich selbst entscheidender Schutzmaßnahmen beraubt, wenn man solche Lebensmittel wie Kreuzblütlergemüse (also vor allem Kohl und Rettich), Knoblauch oder Beeren zu selten auf seinem Speiseplan hat.

Sowohl zur Vorbeugung als auch bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung empfiehlt sich also der regelmäßige Konsum dieser Lebensmittel. Die Autoren sind jedoch ernstzunehmende Onkologen, keine Quacksalber, weshalb sie die sogenannte Nutratherapie als Ergänzung zu den konventionellen Therapien wie Chemotherapie und Bestrahlung vorschlagen, nicht als ihren Ersatz.

Im zweiten Teil des Buches stellen die Autoren dann in den einzelnen Kapiteln die einzelnen Lebensmittel und Lebensmittelgruppen vor, für die eine Verminderung der Risikos einer Krebserkrankung oder eines Rückfalls entweder schon in Studien sicher belegt ist, oder für die erste Ergebnisse eine solche Wirkung vermuten lassen. Was die Veganerinnen und Veganer unter uns nicht überraschen wird: Bis auf die erwähnte Gruppe der Omega-3-Lieferanten, die sowohl tierische als auch pflanzliche Lebensmittel umfasst, sind alle anderen Lebensmittel pflanzlicher Natur: Kohl, Knoblauch und Zwiebeln, Soja, Kurkuma, grüner Tee, Beeren, Tomaten, Zitrusfrüchte, Rotwein und Kakao. Das etwas aus der Reihe fallende Kapitel zu Omega-3-Fettsäuren nennt übrigens auch gesättigte tierische Fette, Transfette und Mais- und Sonnenblumenöle mit ihrem zu großen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren als Problem. Zwar raten sie nicht wie Dr. Esselstyn zum Ölverzicht und empfehlen statt Sonnenblumen- und Maisölen Oliven- und Rapsöle. Aber sie nennen auch Samen und Nüsse, nämlich geschrotete Leinsamen und Walnüsse, als brauchbare Lieferanten der essentiellen Omega-3-Fettsäuren. Das Schöne ist also: Die Verminderung des eigenen Krebsrisikos nach Bélivau und Gingras ist somit absolut vereinbar mit dem Ausschluss eines ischämischen Herzinfarktes nach Dr. Esselstyn.

Im dritten Teil stellen die Autoren dann noch einmal klar, dass keine Pillen und Nahrungsmittelergänzungen die genannten natürlichen Lebensmittel ersetzen können, denn diese liefern ein abgestimmtes Gesamtpaket, dass eine viel stärkere und bessere Wirkung erzielt als irgendwelche isolierten Extrakte der Supplement-Industrie. Die können im Gegenteil sogar oft noch schaden, wie man am Beispiel von isoliertem Vitamin E bei Lungenkrebspatienten schon festgestellt hat.

Auch wenn die Autoren nicht so weit gehen, eine vegane Ernährung zu empfehlen, was ihr Buch in Frankreich wohl zu einem sicheren Ladenhüter gemacht hätte, kann man doch zwischen den Zeilen lesen, dass letztlich jeder Konsum tierischer Lebensmittel eine verpasste Chance ist, stattdessen hunderte und tausende überwiegend noch unbekannter krebshemmender Substanzen aufzunehmen, wie sie eben nur in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind.

Fazit: Absolute Empfehlung. Das Buch sollte jeder an Ernährung und Gesundheit interessierte Mensch gelesen haben.

Mittwoch, 22. März 2017

Sulforaphan & Tipps

Wirsing au dem Feld

Durch die Lektüre von Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die" (siehe hier) bin ich auf das Thema Sulforaphan gestoßen, eine wahre Wundersubstanz, die offenbar schon die Aufmerksamkeit der renommiertesten Krebsforscher auf sich gezogen hat, wie z.B. diese Seite des Universitätsklinikums Heidelberg belegt.
Auch das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren", welches ich hier sicher auch noch besprechen werde, widmet sich dem Sulforaphan.

Wie erklärt sich dieser Hype? Nun, die Wissenschaft hat festgestellt, dass dieser Stoff "in vitro" (lateinisch für "im Glas") etwas kann, was alle bekannten chemotherapeutischen Mittel vermutlich nicht können, nämlich Krebsstammzellen zerstören. Und im Gegensatz zu Chemotherapeutika hat dieser Stoff nicht nur weniger belastende Nebenwirkungen als diese, sondern schlicht keine - er ist vollkommen nebenwirkungsfrei! Nun hat man weitere klinische Studien begonnen, die untersuchen sollen, ob Sulforaphan diese Fähigkeit auch im menschlichen Körper besitzt und damit bei der Vorbeugung und Heilung von Krebserkrankungen unterstützen kann.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, a) wo Sie dieses tolle Mittel herbekommen und b) was Sie dafür hinblättern müssen. Erstaunlicherweise lautet die Antworten auf Frage a): In der Gemüseabteilung ihres Supermarktes oder auf dem Wochenmarkt, nämlich in der Form von Brokkoli, Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Chinakohl, Rucola, Radieschen, Rettich, Kresse, Senfsaat und was es sonst noch an Kreuzblütlergemüse dort gibt. Damit ergibt sich auch die Antwort auf Frage b): Die Kosten entsprechen den Super- und Wochenmarktpreisen der genannten Gemüsesorten, liegen also voll im Lebensmittelbudget praktisch aller Haushalte in Deutschland.

Interessanterweise liegen auch bereits Bevölkerungsstudien vor, die belegen, dass der regelmäßige Verzehr von Kohlgemüse das Risiko, eine Krebserkrankung zu bekommen, signifikant reduziert. Höchstwahrscheinlich ist Sulforaphan dafür mitverantwortlich, aber natürlich enthalten Kohl und andere Kreuzblütlerpflanzen wie praktisch alle essbaren Pflanzenteile auch noch weitere Substanzen, von denen eine gegen Krebs schützende Wirkung ausgeht. So können z.B. in Pflanzen enthaltene Antioxidantien den oxidativen Stress auf die Körperzellen reduzieren und damit dazu beitragen, dass weniger von ihnen entarten und sich so potenziell zu Krebszellen weiterentwickeln können.

Nun gibt es ein kleines Aber:
Kreublütlergemüse enthält nicht direkt die Substanz Sulforaphan, sondern eine inaktive Vorstufe namens Glucoraphanin und zudem das Enzym Myrosinase. Erst beim Zerkauen und der weiteren Verdauung werden diese beiden Substanzen gemischt und führen dann zur Bildung von Sulforaphan.  Leider ist das Enzym Myrosinase hitzeempfindlich, während Glucoraphanin und Sulforaphan es beide nicht sind.

Bei Kreuzblütlergemüse, das roh genossen werden kann und wird, wie z.B. Chinakohl, Rucola, Kresse oder Radieschen ist das gar kein Problem. Aber Broccoli, Rosenkohl, Wirsing oder Blumenkohl möchte man in aller Regel in gegarter, also erhitzter Form zu sich nehmen.

Dr. Greger emfpiehlt daher in seinem Buch, jegliches Kreuzblütlergemüse, welches wie z.B. Brokkoli gekocht oder gegart werden soll, erst zu zerkleinern, ihm dann 40 Minuten zur Bildung von gegen Hitze unempfindlichen Sulforaphan zu geben und es erst dann zu kochen oder zu garen.

Leider ist das Zerkleinern z.B. von Rosenkohl keine sehr interessante Option: Man möchte die kleinen Röschen ja als Ganzes essen und nicht in der Form von "Rosenkohl-Hack". Für diese Fälle hat Dr. Greger in einem neueren Video noch einen weiteren Tipp parat:


Man kann das gegarte Kreuzblütlergemüse mit dem in ihm enthaltenenen Glucoraphanin (Sie erinnern sich: es ist ebenfalls unempfindlich gegen Hitze) mit der Myrosinase aus einer rohen Quelle kombinieren. Eine solche Quelle kann z.B. Senfpulver sein, welches aus nichts anderem als gemahlenen Senfkörnern besteht. (Notfalls kann man auch einfach selbst nach Bedarf Senfkörner zermößern und seinem gekochten Kohlgemüse hinzufügen.) Aber auch Radieschen oder Broccoli-Sprossen oder Kresse können diesen Zweck erfüllen.

Streuen Sie also ein paar zermöserte Senfkörner über ihren gegarten Rosenkohl oder Wirsing oder garnieren Sie Ihre vegane und ölfreie Blumenkohlsauce mit reichlich Kresse und holen Sie so das Optimum aus ihrem Gemüse.

Sonntag, 1. November 2015

Offener Brief an die Nachdenkseiten zu ihrem "Wurstartikel"

Die Nachdenkseiten sind ein Online-Medium, welches versucht, im Sinne der Aufklärung eine kritische Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien zu solchen Themen wie Sozial-, Wirtschafts- und Außenpolitik aufzubauen. Das ist auch dringend erforderlich, wenn man bedenkt, dass z.B. 80 Prozent des deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenmarktes in der Hand von wenigen Multimillionärsfamilien sind, die kein Interesse daran haben, mit ihren Medien Diskussionen zu befördern, die an ihre Privilegien rühren würden. Dies gilt leider selbst dann, wenn die Abschaffung solcher Privilegien (wie z.B. die mit Tricks fast steuerfreie Vererbbarkeit selbst von Milliardenvermögen, die Förderung des Lohndumpings im Sinne der Kapitaleigner, die Begünstigung von Kapital- gegenüber Erwerbseinkünften und die Aussetzung der Vermögenssteuer) das Leben von Millionen von Menschen in diesem Land und anderswo erleichtern und auch die Gesellschaft insgesamt besser und gerechter machen könnte.

Die Regierung, die Wirtschaftsfakultäten, die Unternehmerverbände und -lobbys und leider auch die meisten Medienredaktionen dieses Landes sind von der neoklassischen Wirtschaftstheorie durchdrungen, die auf falschen Annahmen beruht, wieder und wieder zu falschen Prognosen führt, falsche Mythen (wie z.B. Staatsschulden als Lasten künftiger Generationen) und logische Widersprüche hervorbringt. (Wie z.B. den, dass alle Staaten gleichzeitig ihre "Wettbewerbsfähigkeit" verbessern könnten.)  Ich kann nur jeder Leserin und jedem Leser empfehlen, die auf den Nachdenkseiten gesammelten und aufbereiteten Informationen einmal durchzusehen und damit den eigenen kritischen Verstand gegen die vielen kursierenden und unhinterfragten neoklassischen Dogmen und Mythen zu aktivieren. Es ist nicht viel anders als beim Karnismus: Ein herrschendes Glaubenssystem, dass von der Mehrheit der Menschen (noch) nicht hinterfragt wird, wird als solches unsichtbar und erscheint dann den meisten als "Wahrheit".

Umso enttäuschter bin ich dann immer, wenn die Macher solcher aufklärerischen und kritischen "Gegenmedien" (ein anderer Fall ist Telepolis) sich bemüßigt fühlen, in puncto Fleischkonsum den Status Quo und damit wohl einfach ihre eigenen Ernährungsgewohnheiten zu verteidigen. Dies war auch jüngst bei den Nachdenkseiten der Fall, deren von mir sehr geschätzter Redakteur Jens Berger mit einem Artikel auf die jüngste WHO-Veröffentlichung reagierte, die den Verzehr von rotem und insbesondere von verarbeitetem Fleisch als Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs  aufzeigte. (Und deren Ergebnisse für gut informierte vegan lebende Menschen gar nichts Neues mehr waren.) In dem Artikel versucht Jens Berger, die Schlussfolgerungungen der der WHO-Veröffentlichung zugrunde liegenden Meta-Studie als nicht stichhaltig und letztlich aufgebauscht und irrelevant darzustellen, was aber gründlich misslingt. Ich habe der Nachdenkseitenredaktion draufhin den folgenden offenen Brief geschickt:

>> Liebe Nachdenkseiten-Redaktion und insbesondere lieber Herr Berger,


ich bin ein Nachdenkseiten-Leser der ersten Stunde und habe diese in der Phase der ersten Jahre auch finanziell in bescheidenem Rahmen gefördert. Ich besuche die Nachdenkseiten auch heute noch jeden Tag und sie liefern mir wertvolle Fakten und Argumente, wenn im Kollegenkreis wieder einmal die verbreiteten neoliberalen Thesen (demographische Entwicklung, zu hohe Lohnnebenkosten, zuviel Staat) oft gegen alle Fakten und alle Logik verbreitet werden. An dieser Stelle also vielen, vielen Dank an Sie, dass sie soviel Fleiß und Herzblut in dieses unverzichtbare Projekt stecken. Da ich somit viele Texte von Jens Berger bereits kannte und schätzte, habe ich auch sein Buch "Wem gehört Deutschland?" mit Freuden gelesen und seitdem auch mehrfach verschenkt.

Deshalb war ich gestern etwas irritiert, als ich statt der Hinweise des Tages auf den Nachdenkseiten einen Artikel von Herrn Berger vorfand, der die Ehre der Produkte der Fleischindustrie gegen die Wissenschaft verteidigte. Nun muss ich dazu sagen, dass ich aus ethischen Gründen vor nunmehr fünf Jahren auf eine vegane Ernährung umgestiegen bin. Mir ist es also letztlich ganz egal, ob die Wurst nun Krebs verursacht oder nicht, ich esse sie schon deshalb nicht, weil für ihre Herstellung mit Bewusstsein begabte Tiere fürchterliche Qualen erleiden müssen, trotz Hungers aus drei bis fünf für die menschliche Ernährung geeigneten Kilokalorien nur eine einzige gemacht wird, der Klimawandel unnötig verschärft wird, das Grundwasser mit Nitraten verseucht wird, eine extrem unsoziale und ausbeuterische Industrie am Leben gehalten wird usw. usf. Davon fand sich in dem Artikel leider nichts, obwohl diese Aspekte unauflöslich mit den Fleischprodukten in den Supermärkten verbunden sind.

Nun könnte ich auch darüber hinwegsehen, wenn es denn tatsächlich in Herrn Bergers Artikel darum gegangen wäre, in der bekannten aufklärerischen Manier bei der WHO-Veröffentlichung zu verarbeitetem und rotem Fleisch einen Missbrauch mit Statistik nachzuweisen, wie er ja gerne zum Beleg der oben erwähnten neoliberalen Thesen betrieben wird.

Ein solcher lag aber bei der WHO-Untersuchung und der entsprechenden Veröffentlichung schlicht nicht vor. Statt solch einen Missbrauch aufzuzeigen, variiert Herr Berger den Grundsatz "Korrelation ungleich Kausalität" in diesem Artikel rauf und runter, obwohl der zwar richtig, aber im Kontext der Aussagen der WHO-Meta-Studie zu verarbeitetem und rohem Fleisch gar nicht relevant ist. Statistisch nachgewiesene Zusammenhänge sind nämlich nie sicher. Das gilt z.B. genauso für den Zusammenhang zwischen Rauchen, Radioaktivität und Asbest einerseits und Krebsentstehung andererseits. Man könnte also wie Herr Berger bei Asbest genauso argumentieren, dass die Korrelation zwischen dem Umgang mit Asbest und der Erkrankung an Lungenkrebs ja nur eine Korrelation sei und deshalb noch gar nichts darüber aussage ob Asbest diesen Krebs auch verursache. Vielleicht sind ja Raucher unter den Arbeitern, die viel Kontakt mit Asbest haben, überrepräsentiert und weisen nur deshalb eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Lungenkrebs aus. Also müsse man nichts auf Studien geben, die einen Kontakt mit Asbest als Krebsrisiko darstellten. Solche bekannten oder unbekannten Größen nennt man in der Statistik "confounding factor" oder auf deutsch "Störfaktor". Nur: Methodisch vernünftige epidemiologische Studien versuchen genau solche Störfaktoren bereits auszuschließen, in dem z.B. im Falles des Abests nur sportmuffelige Raucher, sportmuffelige Nichtraucher, sportliche Raucher und sportliche Nichtraucher untereinander im Hinblick auf die Exposition mit Asbest verglichen werden. Man nennt das Adjustieren. Auf diese Weise versucht die Epidemiologie explizit von anderen Variablen unabhängige  Risikofaktoren zu finden.

Die Wissenschaftler bei der WHO wissen das alles und haben es in ihrer Metastudie bereits berücksichtigt. Sie bezeichnen den Zusammenhang zwischen dem Konsum von verarbeitetem bzw. rotem Fleisch und Krebs entsprechend auch wissenschaftlich korrekt als "wahrscheinlich" bzw. "möglicherweise" krebserregend. (Genauso wie eben Radioaktivität nur "wahrscheinlich" krebserregend ist.)

Eine groß angelegte, langjährige und insbesondere unter dem Aspekt des Fleischkonsums interessante Studienreihe ist die zur Lebensweise der Siebenten-Tags-Adventisten in den USA. Diese begreifen nämlich allesamt ihren Körper als Schrein Gottes und pflegen deshalb einen sorgfältigen Umgang mit ihm. Raucher gibt es unter ihnen kaum und Alkohol konsumieren sie in aller Regel nur sehr mäßig. Einige von ihnen essen jedoch Fleisch, andere nicht. Sie sind also eine gute Untersuchungsgruppe, um die Risiken des Fleischkonsums unabhängig von anderen Lebensstil-Faktoren zu testen. Und siehe da: Auch bei ihnen findet sich eine statistisch relevanter und sogar sehr deutlicher Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Sterblichkeit.

Die von Herrn Berger zitierte Studie, die sogar ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bei Vegetariern feststellt, krankt umgekehrt daran, dass sie den Konsum von anderen tierischen Produkten als Fleisch, insbesondere den von Milchprodukten, als Störfaktor gerade nicht ausschließt.  Viele nicht-vegane Vegetarierer kompensieren nämlich den Verzicht auf Fleisch mit einem Übermaß an Milchprodukten, insbesondere Käse. Längst weiß man jedoch, dass der übermäßige Konsum von Milchprodukten zum einen zu einer übermäßigen Aufnahme von Kalzium führen kann (die selbst ein unabhängiger Faktor bei Darmkrebs ist) und zum anderen zu erhöhten IGF-1-Spiegeln führt. Dass der Wachstumsfaktor IGF-1 wiederum bei der Krebsenstehung beteiligt ist, erschließt sich daraus, dass Menschen mit dem genetisch verursachten Laronne-Syndrom keinen solchen Faktor bilden und zwar kleinwüchsig bleiben und auch spezielle Gesundheitsprobleme haben, jedoch offenbar "immun" gegen Krebserkrankungen sind.

Herr Berger zweifelt dann noch die Erklärungsansätze an, die er jedoch -das ist zu loben- zumindest benennt. Z.B. ist es unter Medizinern längst keine Neuigkeit mehr, dass das früher so hochgelobte dreiwertige tierische Hämeisen viel problematischer ist als das zweiwertige pflanzliche Eisen. Von letzerem kann der Körper nämlich so viel aufnehmen wie er gerade braucht, während er ersteres aufnehmen muss, selbst wenn der Bedarf längst gedeckt ist. Es wirkt dann als Oxidans, kann also Gensequenzen in den Zellen zerstören.
Und dass das Nitritpökelsalz in verarbeitetem Fleisch mit Aminen zu Nitrosaminen reagieren kann, die ihrerseits schon als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wurden, ist doch auch altbekannt. Das dürfte den eindeutigeren Zusammenhang zwischen Wurst und Krebs im Vergleich zu dem zwischen unverarbeitetem roten Fleisch und Krebs gut genug erklären.

Was aber außer plausiblen Erklärungsansätzen und statistisch relevanten Zusammenhängen (bei denen die Störfaktoren in den guten Studien herausgerechnet wurden), will Herr Berger denn noch? Mehr gibt es nie, auch nicht wie erwähnt bei der Radioaktivität oder bei Asbest. Will Herr Berger am Ende einfach seine eigenen Ernährungsgewohnheiten verteidigen, auch gegen die Rationalität der Wissenschaft? Dann wäre es ehrlicher, wenn er dazu stünde, an diesen Gewohnheiten festhalten zu wollen, egal was Studien dazu herausfinden. So machen es heutige Raucher ja auch.

Sonst stellen die Nachdenkseiten auch immer die wichtige Frage "Cui bono?". Wem sollte es also nützen, wenn die WHO die Gefahren des Fleischkonsums übertriebe? Meinen Sie, dass die Lobby der Gemüsebauern die Überhand bei den wissenschaftlichen Beratergremien der WHO gewonnen hätte? Das ist doch wohl eher unwahrscheinlich, zumal es den Gemüsebauern unter wirtschaftlichen Aspekten egal sein kann, ob sie ihre Produkte zum Verzehr durch Menschen oder durch Tiere in der Tiermast verkaufen. Eher steht hier eine unabhängige, supranationale Organisation gegen die Lobby der Fleischindustrie, die in den USA und in der EU schon mehrfach bewiesen hat, Gesetze zu ihren Gunsten erwirken bzw. Gesetze zu ihrem Schaden kippen zu können. Es ist also zu loben, dass die WHO ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit auch gegen solche mächtigen Interessen bewahrt und diese Studie veröffentlicht hat.

Ich schlage vor, dass Herr Berger sich einmal mit dem den Nachdenkseiten offenbar ja auch verbundenen Statistikprofessor Gerd Bosbach darüber in's Vernehmen setzt, wie die WHO-Meta-Studie zum Konsum von verarbeitetem und rotem Fleisch als Krebsrisiko unter dem wissenschaftlichen Aspekt zu bewerten ist.  Dann wird er sicher erfahren, dass hier eben kein Missbrauch mit Statistik zur Durchsetzung von Einzelinteressen vorliegt.

Mit nachdenklichen Grüßen
Hauke Dressel
Frechen
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Dienstag, 9. April 2013

Neue überraschende Belege für die Positionen des Autors der China-Study

Am letzten Donnerstag strahlte arte die Dokumentation "Geheimnisse eines langen Lebens" aus, in der es zunächst um Patienten mit dem nach einem israelischen Arzt benannten Laron-Syndrom ging, die aufgrund einer Gen-Mutation kleinwüchsig bleiben. Die Forscher vermuteten zunächst, dass die Hypophyse der Betroffenen kein oder zu wenig Wachstumshormon ausschütte, mussten aber überrascht feststellen, dass bei ihnen sogar mehr Wachstumshormon im Blut zirkulierte. Bald konnten sie das Rätsel lösen: Die Rezeptoren für dieses Hormon in der Leber funktionieren nicht, so dass diese kein Signal zur Produktion von IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) erhält, welches eine entscheidende Rolle bei den Wachstumsprozessen im Organismus spielt. Dies gilt im übrigen nicht nur für Menschen. Die gleiche Genmutation, die die Laron-Patienten aufweisen, lässt sich auch bei Mäusen, Fadenwürmern und sogar Hefepilzen finden und sorgt bei diesen interessanterweise für eine deutlich erhöhte Lebenserwartung. Die Laron-Patienten haben diese höhere Lebenserwartung nicht, was damit zusammenhängen könnte, dass sie meist sozial benachteiligt und oft sogar ausgegrenzt werden, mit allen negativen Konsequenzen für ihre Lebenszufriedenheit und damit für ihre Gesundheit.

Aber: Obwohl die Laron-Patienten eine klare statistische Tendenz zum Übergewicht aufweisen, welches üblicherweise auch ein Risikofaktor für Diabetes und Krebs ist, scheinen sie weder an dem einen noch an dem anderen jemals zu erkranken. Dies wiederum wird auf ihren extrem niedrigen IGF-1-Spiegel zurückgeführt.

Offenbar ist für Menschen nach Abschluss des Wachstums in Kindheit und Jugend ein niedriger IGF-1-Spiegel erstrebenswert, weil dieser das Risiko für Krebserkrankungen reduziert, während ein hoher IGF-1-Spiegel es erhöht.

Dann stellt sich jedoch gleich die nächste Frage: Wie kann man ohne Medikamente Einfluss auf seinen IGF-1-Spiegel nehmen? Die Antwort auf diese Frage kennt man jedoch bereits: Zahlreiche Studien haben immer wieder bestätigt, dass der Konsum tierischer Proteine auch schon in recht geringen Mengen den IGF-1-Spiegel erhöht, während der Verzicht auf diese ihn senkt. Bei Proteinen aus Soja kann offenbar ein hoher Konsum den IGF-1-Spiegel ebenfalls erhöhen (so ab fünf Portionen am Tag), weil Sojaproteine den tierischen Proteinen in ihrer Aminosäurezusammensetzung recht ähnlich sind. (Sie haben eine hohe, sogenannte "biologische Wertigkeit", die nach diesen Erkenntnissen unter Gesundheitsaspekten jedoch eher eine "Un-" bzw. sogar "Antiwertigkeit" ist.) Ansonsten haben pflanzliche Proteine entweder keinen Einfluss auf den IGF-1-Spiegel oder tragen sogar zu seiner Senkung bei.

Dies wird nun auch von einem der Forscher aus der Dokumentation näher untersucht, der sich daran erinnerte, dass in dem italienischen Ort, aus dem seine Eltern einst in die USA auswanderten, besonders viele Über-Hunderjährige leben. Diese befragt er nun systematisch zu ihren Ernährungsgewohnheiten während ihres langen Lebens. Die Befragung ist zwar noch nicht abgeschlossen und ausgewertet, aber es zeichnet sich bereits ab, dass die meisten dieser besonders alten und gleichzeitig noch recht agilen Menschen nur sehr selten tierische Produkte und dafür umso mehr Gemüse aßen.

Bedenkt man noch den im Vergleich zu anderen Epochen und Kulturen hier und heute vorherrschenden extrem hohen Konsum tierischer Proteine (Kuhmilchprodukte und Eier eingerechnet), so wundert einen auch nicht mehr, dass bestimmte Krebsarten heutzutage und hierzulande ebenfalls vergleichsweise oft auftreten. Im Supermarkt sehe ich oft Kunden, die sich außer Joghurt, Käse und Wurstaufschnitt allenfalls noch eine Packung Brot mit aufs Band legen, aber nicht ein Stück Obst oder Gemüse. (Besonders furchtbar finde ich es, wenn solche Kunden mit ihren Kindern da sind, die offenbar schon früh an eine ungesunde Ernährungsweise herangeführt werden.)

Manche der bei uns häufigsten Krebsarten (insbesondere Brust- und Prostatakrebs) sind in bestimmten Kulturen der Erde nahezu unbekannt, bzw. waren es, bis sie die westlichen Ernährungsgewohnheiten zu übernehmen begannen. Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milchprodukten und dem Risiko für Prostatakrebs ist in mehreren Studien bereits klar belegt worden. (Zu dem Mythos von der Kuhmilch als gesundem Nahrungsmittel und zur in ethischer Hinsicht besonderen Widerwärtigkeit ihrer Produktion werde ich noch einmal ein separates Post schreiben.)

All dies bestätigt aus einem anderen Forschungsfeld die Positionen T. Colin Campbells, des Autors der "China-Study", der in seiner langjährigen Forscherkarriere sowohl durch Tierversuche als auch durch epidemiologische Untersuchungen zu dem Schluss kam, dass der Konsum tierischer Proteine schlechthin *der* Risikofaktor für bestimmte Krebserkrankungen ist. (Die Tierversuche zeigen übrigens, dass Campbell jedenfalls nicht als Tierrechtler zu seinen Schlussfolgerungen gelangt ist.) So schreibt Professor Campbell bereits in der China-Study, dass der IGF-1-Spiegel eines Menschen eine genauso guter Indikator für das Risiko einer Krebserkrankung ist, wie es die Cholesterinwerte für das Risiko einer Erkrankung des Herzkreislaufsystems sind. Dabei kann man annehmen, dass er beim Schreiben des Buches von den niedrigen IGF-1-Werten und der offenbaren Krebsresistenz der Laron-Patienten noch nicht einmal gehört hatte. (Er hätte sie sonst sicher erwähnt.)

Leider braucht es manchmal sehr lange, bis eindeutige Ergebnisse aus der Wissenschaft im öffentlichen Bewusstsein ankommen. Insbesondere dann, wenn die Botschaft nicht gerne gehört wird, weil sie schlechte Angewohnheiten in Frage stellt. Die selektive Wahrnehmung begünstigt dann alles, was dieses unangenehme Botschaft in Zweifel zieht. (Nicht anders ist zu erklären, dass der renommierte T. Colin Campbell nach einer langen, verdienten Forscherkarriere in der Blogosphäre als von einer Englisch-Studentin widerlegt gelten kann.)