Wer Graupen nur als glitschige Einlage in Suppen kennt, sollte unbedingt mal Graupen als Alternative zu Reis probieren. Was sind Graupen eigentlich? Es sind polierte Gerstenkörner. Da beim Polieren wie bei weißem Reis die Schale der Körner entfernt wird, und da damit natürlich auch die in der Schale enthaltenen Vitamine, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffe (auch als Phytamine bezeichnet) verloren gehen, sind sie auch nicht im eigentlichen Sinne vollwertig. Trotzdem kommen sie praktisch auf die gleiche Dichte an diesen Mikronährstoffen wie Natur- also unpolierter Reis. Ihr hoher Stärkegehalt macht sie ähnlich cremig wie Rundkornreis.
In diesem Rezept werden die Perlgraupen marrokanisch gewürzt, wobei ich eine als "Ras-el-Hanout" bezeichnete Gewürzmischung verwende. Da "Ras-el-Hanout" eigentlich nur arabisch für "Kopf des Hauses" ist, also sozusagen die Mischung des Hauses bezeichnet, gibt es ebensowenig das Ras-el-Hanout wie es das Curry-Gewürzpulver gibt. Meine Mischung besteht aus Kurkuma, Koriander, Piment, Zimt, Chillies, Pfeffer, Kardamom, Ingwer, Kreuzkümmel, Fenchel, Muskat, Sternanis, Orangenschalen, Bockshornkleesaat und Lorbeerblättern.
Das besondere Extra gibt hier ein bisschen Safran. Eine Studie mit Demenzpatienten legt nahe, dass Safran in der Lage ist, den kognitiven Abbau bei Alzheimer-Demenz zumindest über einen kurzen Zeitraum zu stoppen. Diese Studie ist zugegebenermaßem mit Vorsicht zu genießen: Sie wurde ausgerechnet von Forschern des Landes veröffentlicht, welches der mit Abstand größte Exporteur von Safran ist: der Iran. Außerdem war die Studiengruppe mit 64 Probanden sehr klein und der Untersuchungszeitraum mit 16 Wochen für eine langsam fortschreitende chronische Erkrankung wie die Alzheimer-Demenz ziemlich kurz. In jedem Fall ist Safran nicht schädlich und gibt diesem Gericht wie auch allen Reisgerichten eine besondere Geschmacksnote.
Aber genug der Vorrede, hier nun endlich das Rezept:
Zutaten:
1,5 Tassen mittelgroße Perlgraupen
0,75 Liter Gemüsebrühe ohne extrahierte Fette oder Wasser
2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
3 mittelgroße Karotten
3 Stangen Sellerie
250 g weiße Bohnen aus Glas, Dose oder aufgetaut
1 EL Ras-El-Hanout Gewürzmischung (alternativ: Curry-Gewürzpulver)
1 TL geriebene Zitronenschale (nur von ungespritzten Zitronen, z.B. Bio-Zitronen)
3-4 Safranfäden (optional)
1 Bund Koriander oder Petersilie
Salz und Pfeffer
Zubereitung:
Die Zwiebeln und den Knoblauch in kleine Stücke hacken und in einem mittelgroßen Topf in wenig Wasser andünsten, bis die Zwiebeln glasig sind. Nach Bedarf immer ein bisschen Wasser nachgießen. Die Karotten und den Sellerie in kleine Stücke schneiden. Brühe bzw. Wassser, Graupen, Karottenstücke, Selleriestücke, Zitronenschale und Ras-El-Hanout-Gewürzmischung ebenfalls in den Topf geben und alles bei höchster Stufe zum Kochen bringen. Hitze auf Mittel stellen und das Ganze für etwa 15 Minuten köcheln lassen. Hitze auf Pünktchen stellen und nochmal 10 Minuten ausquellen lassen. Dabei gelegentlich umrühren und bei Bedarf etwas Wasser nachgießen. Dann Hitze abstellen.
Zum Schluss Koriander und Petersilie hacken und Safranfäden zermörsern oder mit den Fingern zerreiben. Beides gemeinsam mit den Bohnen unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.
Tipp: Dazu passt gut noch ein grünes Gemüse wie z.B. dampfgegarter Brokkoli.
Aus mir selbst wirklich vollkommen unerfindlichen Gründen bin ich erst vor zwei Tagen auf einen deutschsprachigen YouTube-Kanal gestoßen, den es mindestens schon seit 8 Monaten gibt, und den aus meiner Sicht alle deutschsprachigen Veganerinnen und Veganer sowie Vegan-Interessierte kennen sollten, weil er einfach sagenhaft unterhaltsam ist und zudem gerade für Neulinge auf dem Gebiet "dieses Veganismus" auch noch viele nützliche Informationen liefert. Er nennt sich paradoxerweise "Vegan ist ungesund" und hat schon über 15.000 Abonnenten. Die beiden Macher stellen sich als Gordon und Aljosha vor, wobei wir über Aljosha auch noch erfahren, dass er Mediziner ist.
Möglicherweise ist mir dieser Kanal deshalb so lange entgangen, weil ich normalerweise YouTube-Kanäle schaue, die sich mit veganer und ölfreier Ernährung befassen, von denen die meisten auf Englisch sind. (Hier möchte ich vor allem "Mic. the Vegan" hervorheben, dessen Videos zwar nicht ganz so lustig wie die von Gordon und Aljosha sind, dafür aber noch etwas tiefer in die wissenschaftlichen Details und Hintergründe gehen. Auch recht sympathisch sind Anji und Ryan von "Happy Healthy Vegan".)
Aber zurück zu Gordon und Aljosha von "Vegan ist ungesund": Die meisten Videos der beiden zeichnen sich dadurch aus, dass sie von zahlreichen kurzen Einspielszenen aus Fernsehen und Internet durchsetzt sind, also das gleiche Konzept wie Stefan Raab in "TV Total" benutzen, dieses aber in Frequenz und Abwechslung sogar noch etwas toppen. Ganz oft beschäftigen sie sich mit den üblichen Scheinargumenten gegen eine vegane Ernährung (daher wohl auch der Name des Kanals), so dass "Vegan-Anfänger" auch noch einige Argumentationshilfen erhalten, wenn ihnen im Familien- oder Freundeskreis die üblichen karnistischen Vorurteile begegnen oder entgegen gehalten werden.
Exemplarisch verlinke ich hier mal die Folge "Vegan ist unmännlich" zum Selberschauen:
Ich bin übrigens selten auf einen YouTube-Kanal zum Thema Veganismus gestoßen, bei dem die Kommentare zu einem so großen Anteil so positiv sind. Offenbar gibt es eine richtig große Fan-Gemeinde, denen ein Video pro Woche noch zu wenig ist. Geht man also davon aus, dass nicht nur Veganerinnen und Veganer die Videos von Gordon und Aljosha ansehen und sie vielleicht aufgrund des irreführenden Kanal-Namens sogar überdurchschnittlich oft von Nutzerinnen und Nutzern gefunden werden, die Argumente gegen eine vegane Ernährung suchen, scheinen sie so ziemlich genau den richtigen Ton zu treffen, der weder die einen noch die anderen vor den Kopf stößt oder zu Troll-Kommentaren verleitet.
Bei den Koch-Videos würde ich persönlich die Rezepte, die mit extrahierten Ölen und Fetten arbeiten, natürlich wenn möglich noch in Richtung ölfrei modifizieren oder anderenfalls eben nicht nachkochen. So verwenden sie bei ihrem "Chili sin Carne" zum Dünsten von Zwiebeln und Knoblauch ausgerechnet Kokosöl, das noch einen höheren Anteil der arterienschädigenden gesättigten Fette hat als Butter. (Dazu werde ich in Kürze auch noch einen Beitrag schreiben.) Da wäre also selbst die Verwendung von Olivenöl noch die bessere Variante. Wer meinen Blog kennt, weiß natürlich dass auch das nicht zu empfehlen ist und sich Zwiebeln und Knoblauch auch wunderbar in Wasser dünsten lassen.
Aber abgesehen davon: beide Daumen hoch und absolute Empfehlung!
Nachtrag 2.7.2017: Inzwischen bin ich noch auf ein anderes Video gestoßen, das aus veganer Sicht mehrere Aussagen insbesondere aus den ersten Videos von "Vegan ist ungesund" unter die Lupe nimmt und dabei einige Fälle benennt, in denen Gordon und Aljosha in ihrer Argumentation etwas daneben lagen oder bestimmte Zahlen nicht im korrekten Zusammenhang präsentierten. Es geht dabei um so Dinge, wie dass Bakterien im Verdauungstrakt von Rindern in der Tierhaltung auch ohne Supplementierung B12 bilden, oder dass Zahlen die zum Wasserverbrauch oder zur durch die Tierhaltung verschwendeten Nahrungsenergie genannt werden, nur in Bezug auf einzelne Bereiche davon gelten, also z.B. nur für die Rinderzucht oder nur für die Tierhaltung insgesamt und nicht ausschließlich für die Massentierhaltung. Das Video zeigt auch auf, warum der von Aljosha und Gordon benannte Zusammenhang zwischen Fischkonsum und Schlaganfällen so nicht belegt ist, dass Gorillas auch Insekten und damit nicht rein pflanzlich essen und dass der Konsum von Kuhmilch nicht zum Abbau von Kalzium aus den Knochen führt. (Was jedoch nichts daran ändert, dass viele Bevölkerungsstudien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Osteoporoserisiko aufzeigen, was wohl an anderen Faktoren als Kalziumentzug aus den Knochen liegt.)
Dann zeigt es noch ein fiktives und absolut unrealistisches Beispiel, nach dem die Hälfte aller Zuchttiere auf nicht für den Gemüseanbau geeigneten Weideflächen stünde, wobei dann die Aussage fraglich würde, dass die Tierprodukteindustrie eine große Verschwendungsmaschinerie von Nahrungsenergie darstellt. Nur lässt dieses Beispiel eben völlig außer acht, dass selbst wenn man die in Wahrheit sehr wenigen Flächen dieser Art von Tieren beweiden lassen würde, man damit in einem beliebigen Zeitraum nur einen winzigen Bruchteil der Menge an Fleisch und Milch produzieren könnte, die im selben Zeitraum heutzutage schon konsumiert wird. Es müssten also wahrscheinlich erst einmal mindestens achtzig Prozent der heutigen Tierverbraucher vegan werden, ehe die Nachfrage nach Tierprodukten so stark zurück ginge, dass diese Art der Produktion betroffen wäre und das Argument damit überhaupt erst zu ziehen anfinge. Und davon sind wir dem Anschein nach ja noch Jahrzehnte entfernt.
All die genannten und zum Teil berechtigten Kritikpunkte ändern aber natürlich nichts an den richtigen Grundaussagen bei "Vegan ist ungesund", dass die Tierprodukteindustrie insgesamt eine unglaubliche Ressourcenverschwendung bedeutet und der Umwelt großen Schaden zufügt und dass praktisch mit jeder einschlägigen Studie der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tierprodukten und den Epidemien chronischer Wohlstandskrankheiten klarer und eindeutiger zutage tritt. Dazu muss man sich nur ein paar der aktuellen Videos von Dr. Michael Greger auf dessen Portal Nutrition-Facts ansehen, welches ja auch von dem Kritikvideo zu "Vegan ist ungesund" zitiert wird.
Insofern ist es aus meiner Sicht fraglich, ob sich Gordon und Aljosha von "Vegan ist ungesund" mit den kritisierten Unkorrektheiten wirklich so angreifbar machen, wie es im Kritikvideo befürchtet wird. Vegan-Gegner, die sich so genau mit Detail-Fragen beschäftigen, dass sie zu denselben Kritikpunkten gelangen, könnte man sich ja nur wünschen. Die übliche Kritik an veganer Ernährung besteht ja normalerweise aus den üblichen Vor- und Fehlurteilen wie "Für das Soja der Veganer wird der Regenwald gerodet" (gerade erst wieder an der Supermarktkasse gehört) oder "Der Mensch benötigt tierische Proteine" oder "Der Mensch braucht Milchprodukte für die Knochen". Und selbst wenn man alle genannten Kritikpunkte eingesteht, bleibt eben auch aus ökologischer und gesundheitlich-medizinischer Perspektive immer noch eine beeindruckende Vielzahl an Argumenten, die für eine tierproduktfreie Ernährungs- und Lebensweise sprechen.
Wer mag, kann sich hier das Kritikvideo ansehen und so selbst ein Urteil bilden:
Jetzt sind seit meinem letzten Blog-Beitrag doch schon wieder über zwei Monate vergangen - soviel zu den guten Vorsätzen. Immerhin habe ich die Zeit außer für einen Irland-Urlaub und noch vieles andere auch dazu genutzt, dass Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" der französischen Onkologen Richard Béliveau und Denis Gingras zu lesen. Und dies obwohl es vordergründig erst einmal gar nichts mit Veganismus oder veganer Ernährung zu tun hat: beim Durchblättern kann man auch auf eine Abbildung von verzehrfertigem toten Fisch stoßen.
Dennoch ist das Buch auch für Veganerinnen und Veganer absolut empfehlenswert, zumal der Fisch hier nur exemplarisch als ein Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren angeführt wird, aber die pflanzlichen Lieferanten wie Leinsamen und Walnüsse ebenso erwähnt werden.
Interessant war die Lektüre für mich auch durch den Vergleich mit Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die": Wie stark würden sich die Inhalte decken? Die Antwort: Sie decken sich erstaunlich stark. In beiden Büchern werden oft die selben Studien zitiert. So wird auch in "Krebszellen mögen keine Himbeeren" die besondere Rolle von Kreuzblütlergemüse in der Vorbeugung gegen Krebs dargestellt und dabei ebenso die besondere Rolle des Sulforaphan herausgestrichen. Ein klares Indiz, dass die Autoren in beiden Fällen nicht im Auftrag einer dunklen Gemüselobby unterwegs sind (die es -leider- sowieso nicht gibt), sondern schlicht und einfach den aktuellen Forschungsstand darlegen.
Doch von Anfang an: Bei "Krebszellen mögen keine Himbeeren" geht es, wie der Titel schon andeutet, vor allem um Krebs und Krebsprävention. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Schon der erste Teil bietet einige für medizinische Laien überraschende Einsichten. In ihm wird nämlich dargelegt, was Krebs ist, warum und wie er entsteht und welche Rolle die Ernährung dabei spielen kann, seine Entstehung zu verhindern. Die Autoren erklären die Entstehung von Krebszellen sozusagen als einen Rückfall einzelner Zellen in den "Einzellermodus", in dem sie nicht mehr mit den anderen Körperzellen kooperieren und wieder nur ihre eigene Vermehrung betreiben. Dazu schalten sie unter anderem ihr "Selbstmordprogramm" ab und reagieren nicht mehr auf entsprechende Signale anderer Körperzellen. Und sie koppeln sich zur Nährstoffversorgung mittels "Angiogenese" an den körpereigenen Blutkreislauf an.
Ebenfalls erwähnenswert und sicher nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert ist die Tatsache, dass jeder Mensch zu jeder Zeit immer solche amoklaufenden Zellen in seinem Körper hat. Wahrscheinlich tragen sogar alle Menschen ab einem bestimmten Alter auch immer ein paar Mikrotumoren in ihrem Körper, weshalb Béliveau und Gingras den Krebs auch als chronische Krankheit einstufen.
Schließlich stellen die Autoren heraus, welche große Rolle Lebensstilfaktoren dafür spielen, ob sich aus ein paar Krebszellen oder Mikrotumoren schließlich eine akute und lebensbedrohende Krebserkrankung entwickeln kann. Natürlich ist das Rauchen ein solcher Lebensstilfaktor, der das persönliche Krebsrisiko entscheidend beeinflusst. Ebenso wichtig ist aber die Ernährung, denn viele Lebensmittel enthalten Stoffe, die in den verschiedensten Stadien der Krebsentstehung dazwischen funken und so das Fortschreiten entscheidend behindern können. Viele dieser Stoffe sind aber nur in bestimmten Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen enthalten, so dass man sich selbst entscheidender Schutzmaßnahmen beraubt, wenn man solche Lebensmittel wie Kreuzblütlergemüse (also vor allem Kohl und Rettich), Knoblauch oder Beeren zu selten auf seinem Speiseplan hat.
Sowohl zur Vorbeugung als auch bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung empfiehlt sich also der regelmäßige Konsum dieser Lebensmittel. Die Autoren sind jedoch ernstzunehmende Onkologen, keine Quacksalber, weshalb sie die sogenannte Nutratherapie als Ergänzung zu den konventionellen Therapien wie Chemotherapie und Bestrahlung vorschlagen, nicht als ihren Ersatz.
Im zweiten Teil des Buches stellen die Autoren dann in den einzelnen Kapiteln die einzelnen Lebensmittel und Lebensmittelgruppen vor, für die eine Verminderung der Risikos einer Krebserkrankung oder eines Rückfalls entweder schon in Studien sicher belegt ist, oder für die erste Ergebnisse eine solche Wirkung vermuten lassen. Was die Veganerinnen und Veganer unter uns nicht überraschen wird: Bis auf die erwähnte Gruppe der Omega-3-Lieferanten, die sowohl tierische als auch pflanzliche Lebensmittel umfasst, sind alle anderen Lebensmittel pflanzlicher Natur: Kohl, Knoblauch und Zwiebeln, Soja, Kurkuma, grüner Tee, Beeren, Tomaten, Zitrusfrüchte, Rotwein und Kakao. Das etwas aus der Reihe fallende Kapitel zu Omega-3-Fettsäuren nennt übrigens auch gesättigte tierische Fette, Transfette und Mais- und Sonnenblumenöle mit ihrem zu großen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren als Problem. Zwar raten sie nicht wie Dr. Esselstyn zum Ölverzicht und empfehlen statt Sonnenblumen- und Maisölen Oliven- und Rapsöle. Aber sie nennen auch Samen und Nüsse, nämlich geschrotete Leinsamen und Walnüsse, als brauchbare Lieferanten der essentiellen Omega-3-Fettsäuren. Das Schöne ist also: Die Verminderung des eigenen Krebsrisikos nach Bélivau und Gingras ist somit absolut vereinbar mit dem Ausschluss eines ischämischen Herzinfarktes nach Dr. Esselstyn.
Im dritten Teil stellen die Autoren dann noch einmal klar, dass keine Pillen und Nahrungsmittelergänzungen die genannten natürlichen Lebensmittel ersetzen können, denn diese liefern ein abgestimmtes Gesamtpaket, dass eine viel stärkere und bessere Wirkung erzielt als irgendwelche isolierten Extrakte der Supplement-Industrie. Die können im Gegenteil sogar oft noch schaden, wie man am Beispiel von isoliertem Vitamin E bei Lungenkrebspatienten schon festgestellt hat.
Auch wenn die Autoren nicht so weit gehen, eine vegane Ernährung zu empfehlen, was ihr Buch in Frankreich wohl zu einem sicheren Ladenhüter gemacht hätte, kann man doch zwischen den Zeilen lesen, dass letztlich jeder Konsum tierischer Lebensmittel eine verpasste Chance ist, stattdessen hunderte und tausende überwiegend noch unbekannter krebshemmender Substanzen aufzunehmen, wie sie eben nur in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind.
Fazit: Absolute Empfehlung. Das Buch sollte jeder an Ernährung und Gesundheit interessierte Mensch gelesen haben.
Durch die Lektüre von Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die" (siehe hier) bin ich auf das Thema Sulforaphan gestoßen, eine wahre Wundersubstanz, die offenbar schon die Aufmerksamkeit der renommiertesten Krebsforscher auf sich gezogen hat, wie z.B. diese Seite des Universitätsklinikums Heidelberg belegt.
Auch das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren", welches ich hier sicher auch noch besprechen werde, widmet sich dem Sulforaphan.
Wie erklärt sich dieser Hype? Nun, die Wissenschaft hat festgestellt, dass dieser Stoff "in vitro" (lateinisch für "im Glas") etwas kann, was alle bekannten chemotherapeutischen Mittel vermutlich nicht können, nämlich Krebsstammzellen zerstören. Und im Gegensatz zu Chemotherapeutika hat dieser Stoff nicht nur weniger belastende Nebenwirkungen als diese, sondern schlicht keine - er ist vollkommen nebenwirkungsfrei! Nun hat man weitere klinische Studien begonnen, die untersuchen sollen, ob Sulforaphan diese Fähigkeit auch im menschlichen Körper besitzt und damit bei der Vorbeugung und Heilung von Krebserkrankungen unterstützen kann.
Nun werden Sie sich vielleicht fragen, a) wo Sie dieses tolle Mittel herbekommen und b) was Sie dafür hinblättern müssen. Erstaunlicherweise lautet die Antworten auf Frage a): In der Gemüseabteilung ihres Supermarktes oder auf dem Wochenmarkt, nämlich in der Form von Brokkoli, Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Chinakohl, Rucola, Radieschen, Rettich, Kresse, Senfsaat und was es sonst noch an Kreuzblütlergemüse dort gibt. Damit ergibt sich auch die Antwort auf Frage b): Die Kosten entsprechen den Super- und Wochenmarktpreisen der genannten Gemüsesorten, liegen also voll im Lebensmittelbudget praktisch aller Haushalte in Deutschland.
Interessanterweise liegen auch bereits Bevölkerungsstudien vor, die belegen, dass der regelmäßige Verzehr von Kohlgemüse das Risiko, eine Krebserkrankung zu bekommen, signifikant reduziert. Höchstwahrscheinlich ist Sulforaphan dafür mitverantwortlich, aber natürlich enthalten Kohl und andere Kreuzblütlerpflanzen wie praktisch alle essbaren Pflanzenteile auch noch weitere Substanzen, von denen eine gegen Krebs schützende Wirkung ausgeht. So können z.B. in Pflanzen enthaltene Antioxidantien den oxidativen Stress auf die Körperzellen reduzieren und damit dazu beitragen, dass weniger von ihnen entarten und sich so potenziell zu Krebszellen weiterentwickeln können.
Nun gibt es ein kleines Aber:
Kreublütlergemüse enthält nicht direkt die Substanz Sulforaphan, sondern eine inaktive Vorstufe namens Glucoraphanin und zudem das Enzym Myrosinase. Erst beim Zerkauen und der weiteren Verdauung werden diese beiden Substanzen gemischt und führen dann zur Bildung von Sulforaphan. Leider ist das Enzym Myrosinase hitzeempfindlich, während Glucoraphanin und Sulforaphan es beide nicht sind.
Bei Kreuzblütlergemüse, das roh genossen werden kann und wird, wie z.B. Chinakohl, Rucola, Kresse oder Radieschen ist das gar kein Problem. Aber Broccoli, Rosenkohl, Wirsing oder Blumenkohl möchte man in aller Regel in gegarter, also erhitzter Form zu sich nehmen.
Dr. Greger emfpiehlt daher in seinem Buch, jegliches Kreuzblütlergemüse, welches wie z.B. Brokkoli gekocht oder gegart werden soll, erst zu zerkleinern, ihm dann 40 Minuten zur Bildung von gegen Hitze unempfindlichen Sulforaphan zu geben und es erst dann zu kochen oder zu garen.
Leider ist das Zerkleinern z.B. von Rosenkohl keine sehr interessante Option: Man möchte die kleinen Röschen ja als Ganzes essen und nicht in der Form von "Rosenkohl-Hack". Für diese Fälle hat Dr. Greger in einem neueren Video noch einen weiteren Tipp parat:
Man kann das gegarte Kreuzblütlergemüse mit dem in ihm enthaltenenen Glucoraphanin (Sie erinnern sich: es ist ebenfalls unempfindlich gegen Hitze) mit der Myrosinase aus einer rohen Quelle kombinieren. Eine solche Quelle kann z.B. Senfpulver sein, welches aus nichts anderem als gemahlenen Senfkörnern besteht. (Notfalls kann man auch einfach selbst nach Bedarf Senfkörner zermößern und seinem gekochten Kohlgemüse hinzufügen.) Aber auch Radieschen oder Broccoli-Sprossen oder Kresse können diesen Zweck erfüllen.
Streuen Sie also ein paar zermöserte Senfkörner über ihren gegarten Rosenkohl oder Wirsing oder garnieren Sie Ihre vegane und ölfreie Blumenkohlsauce mit reichlich Kresse und holen Sie so das Optimum aus ihrem Gemüse.
Eines Tages habe ich mir überlegt, dass wenn meine Sojanaise sich für einen Nudelsalat eignet, dies doch auch für Kartoffelsalat gelten müsste. Gesagt, getan und siehe da, dieser rein pflanzliche und ölfreie Kartoffelsalat bietet geschmacklich alles, was Kartoffelsalate nach klassischen Rezepten auch bieten.
250 ml starke Gemüsebrühe (d.h. für diese Wassermenge etwa 50% mehr
Pulver nehmen als auf der Packung angegeben)
150 ml Gewürzgurkenwasser
Gewürzgurken nach Belieben
1 Bund Petersilie
Zubereitung:
Die Kartoffeln schälen, vierteln und kochen, bis sie weich werden
aber noch gut schnittfest sind. Das Wasser abgießen und die
Kartoffeln im Topf abkühlen lassen. (Sie garen im Innern auch noch
etwas nach.) In der Zwischenzeit die Sojanaise nach Rezept in einer
mittelgroßen Schüssel anrühren. Die Gemüsebrühe und das Gurkenwasser
dazu schütten und alles zu einer homogenen Flüssigkeit verrühren.
Die abgekühlten Kartoffelviertel in kleinere Scheiben oder Stücke
schneiden und in eine große Schüssel geben. Die Flüssigkeit aus
Sojanaise, Brühe und Gurkenwasser dazu schütten und alles gut
unterrühren. (Am Anfang sieht das noch nach zu viel Flüssigkeit aus,
die Kartoffeln saugen das aber nach und nach auf.) Gewürzgurken in
kleine Stücke schneiden, Petersilie klein hacken und alles unter die
Kartoffeln heben. Ziehen lassen.
Wenn man möchte, kann man weitere Zutaten wie gewürfelten Räuchertofu oder gegarte Stückchen vom Stangensellerie untermischen.
Wenn der Salat nach dem Ziehenlassen doch noch zu trocken ist, nach
Bedarf und Geschmack mehr Wasser, Brühe oder Gurkenwasser
hinzugeben.